Tipp des Monats: "Gesunde Schule" - Bewegung auf dem Schulweg

08.04.2013

In der Ausgabe März/April 2013 zeigt "Gesund + fit" Möglichkeiten, wie Bewegung jenseits des Sportunterrichts in der Schule umgesetzt werden können.

"Bewegte Kinder"; Foto: Bilddatenbank LSB NRW, Andrea Bowinkelmann

Die "SportPraxis" zeigt in dieser und in den nächsten Monaten Möglichkeiten auf, wie Bewegung als Element der Gesundheitsförderung auch jenseits des Sportunterrichts in der Schule umgesetzt werden und so die Lernfähigkeiten in allen Fächern positiv beeinflussen kann. Zudem erhalten Schulen hierdurch Instrumente und Anregungen zur Herstellung gesundheitlicher Chancengleichheit. Im ersten Beitrag geht es darum, wie bereits der Weg zur Schule "bewegt" gestaltet werden kann, damit Kinder vor Beginn des Unterrichts aktiv und fit in den Tag starten können.

Wenn man die Pressemeldungen aufmerksam verfolgt, muss man die Sorge teilen, dass es um unsere Kinder schlimm bestellt ist: Die PISA-Studie macht deutlich, dass sie - angeblich - nicht genug im Kopf haben. Studien zum Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen verweisen auf einen signifikanten Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit. Dieser Rückgang betrifft bei Jungen wie Mädchen sehr stark den koordinativen Bereich, bei Mädchen stärker als bei Jungen auch den Ausdauerbereich.
Die Bedeutung der motorischen Entwicklung für die soziale und psychische Entwicklung von Kindern ist unbestritten und wissenschaftlich belegt. Adäquat entwickelte motorische Fähigkeiten bilden zudem einen lebenslangen Schutzfaktor zur Bewältigung der Anforderungen an die Alltagsmotorik und wirken somit den durch Bewegungsmangel mitverursachten Zivilisationserkrankungen entgegen.
Dass die sich verändernde Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen wie eine zunehmende Technisierung der Umwelt, ein immer höherer Medienkonsum, schlechte Ernährungsgewohnheiten etc. auch zu einem veränderten Freizeit- und Bewegungsverhalten führt, ist nicht verwunderlich. Experten, aber auch all diejenigen, die tagtäglich mit Kindern umgehen, stellen in der Folge die Zunahme von Haltungsschäden, Kreislaufproblemen, Übergewicht und koordinativen Schwächen fest. Auch psychische Probleme, Aufmerksamkeitsdefizite und Essstörungen sind vermehrt zu verzeichnen.
Die Auswirkungen abnehmender physischer und psychischer Leistungsfähigkeit mit allen daraus resultierenden Problemen gehen auch am Unterricht in der Schule nicht unbemerkt vorbei: Lehrkräfte klagen über zunehmende Unlust, Konzentrationsschwierigkeiten und insgesamt über einen Rückgang der allgemeinen Leistungsfähigkeit.
Immer mehr "dicke Kinder" bei gleichzeitigem Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit werden zwar beklagt und erhalten in der Presse viel Aufmerksamkeit, gleichzeitig sieht die Schule sich in ihren Einflussmöglichkeiten meist auf die wenigen Stunden Sportunterricht und vielleicht noch die freiwilligen Angebote am Nachmittag in ihren Handlungsmöglichkeiten begrenzt und verweist auf Elternhaus und Sportverein. Dies ist nicht zuletzt deshalb der Fall, weil im Kontext von Schule nach wie vor die Fachleistungskompetenzen (vermeintlich ablesbar am Ergebnis von PISA) im Vordergrund stehen. Die Verbesserung mathematischer, naturwissenschafticher und Lese-Kompetenzen bekommt in der Diskussion weit mehr Gewicht als die Verbesserung physischer Messgrößen.
Gesundheitsförderung und damit der Kompetenzerwerb zum Umgang mit der eigenen Gesundheit ist als Ziel in den Lehrplänen der Schulen längst verankert und wurde gerade erst im November des vergangenen Jahres "als grundlegende Aufgabe schulischer und außerschulischer Arbeit" in einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz in seiner Bedeutung bestätigt. Dennoch gerät die Gesundheitserziehung im Schulalltag oft in den Hintergrund. Dabei kann gerade Bewegungsförderung als unverzichtbares Element der Gesundheitsförderung durchaus auch einen wichtien Beitrag zu einer Verbesserung der Fachleistungskompetenzen leisten: Das allgemeine Wohlbefinden als Ausdruck von Gesundheit - im Sinne der Weltgesundheitsorganisation als ein Zusammenspiel physischer, psychischer und sozialer Aspekte verstanden - hat entscheidende Auswirkungen auf Lern- und Leistungsfähigkeit eines Kindes.

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