Körperlich aktiv zu geistiger Höchstleistung

16.10.2014

Mangelnde körperliche Aktivität ist einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Demenz. Körperliche Aktivität sei daher eine effiziente Maßnahme zur Prävention, sagt der Sportmediziner Prof. Wilhelm Bloch.

Körperliche Aktivität verbessert nicht nur die allgemeine Fitness, sondern auch den Stoffwechsel zum Gehirn. Foto: picture-alliance

Darüber hinaus ergeben sich zunehmend Hinweise, dass gezielte Bewegungs- und Sporttherapie zur Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden kann. Zunehmend werden die Mechanismen entschlüsselt, die zur Verbesserung von Regeneration und Funktion des Gehirns durch körperliche Aktivität führen. So werden Stammzellen aktiviert, die Nervengewebe ersetzen können, und die energetische Versorgung des Gehirns wird verbessert.

Bei neurodegenerativen Erkrankungen können alle für den Aufbau und die Funktion des Nervensystems notwendigen Strukturen betroffen sein. Nicht nur direkte Nervenzelluntergänge und Axondegenerationen (Axon = langer Nervenzellenfortsatz) beeinflussen die Funktion des zentralen Nervensystems, sondern auch Veränderungen von Nervenzellkontakten. Darüber hinaus sind die das Nervengewebe umgebenden Hüll- und Versorgungszellen, die sogenannten Gliazellen, sowie das versorgende Gefäßsystem und die die Nervenzellen umgebende Extrazellularmatrix für die Aufrechterhaltung der Hirnfunktion von wesentlicher Bedeutung. Es wundert daher nicht, dass im Zusammenhang mit dem Auftreten von neurodegenerativen Erkrankungen Veränderungen aller dieser Strukturen diskutiert werden.

Bevor die Gehirnzellen „vermüllen“, lieber körperlich aktiv werden

In den Nerven- und Gliazellen kommt es zur Schädigung von Mitochondrien, dem Zytoskelett der Zellen und dem Abbau von Proteinen und Stoffwechselprodukten mit daraus resultierenden intrazellulären und auch extrazellulären Ablagerungen, die Zellen „vermüllen“. Dadurch wird die normale Zellfunktion beeinträchtigt und die Zellen sterben ab. Es werden jedoch nicht nur die bestehenden Nervenzellen, sondern auch die für die Nervenzell- und Gliazellregeneration wichtigen Stammzellen betroffen, sodass zu dem verstärkten Abbau von Nervengewebe eine reduzierte Regeneration hinzukommt. Oft ist eine chronische Entzündungslage verantwortlich für diese Fehlfunktionen.

Als Zytokine werden Proteine bezeichnet, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. Körperliches Training verändert das Freisetzungsprofil von Zytokinen, führt zur verstärkten Bildung und Aktivierung von antioxidativen Mechanismen, zur Ausschüttung von Nervenwachstums-fördernden Faktoren und steigert nach neuen Erkenntnissen die Nervengewebsbildung. Damit beeinflusst körperliche Aktivität wesentliche Mechanismen, die neurodegenerative Erkrankungen nach sich ziehen und führt zu einer verstärkten Nervengewebsregeneration. Die Veränderung der Freisetzung von pro- und anti-entzündlichen Zytokinen ist einer der wesentlichen Mechanismen, die Effekte von körperlicher Aktivität auf das Gehirn erklären. Es sind vor allem die hemmende Wirkung auf chronisch entzündliche Prozesse und die Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren, die zu Reduktion von Neurodegeneration führen und Neuroregeneration anschieben.

Neue Erkenntnisse zeigen jedoch auch, dass körperliche Aktivität die metabolische Versorgung des Gehirns verbessert und dies auch akut zu einer Steigerung der Hirnleistungsfähigkeit führen kann. Körperlich aktiv zu geistiger Höchstleistung.

Der Autor, Universitätsprofessor Dr. med. Wilhelm Bloch, ist seit 2004 Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abteilung für Molekulare und Zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, DGSP)


 
 

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